Wettbewerb Bundespräsendialamt
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Gestaltung der Eingangssituation mit Wach- und Kontrollgebäude,
Poströntgen, Logistik und Büros

Erläuterungsbericht

Der Wettbewerbsbeitrag basiert auf drei Grundprinzipien:

1. Der Wettbewerbsentwurf entwickelt den historischen Grundriss des Schlosses Bellevue auf der geometrischen Basis weiter, und stellt damit klare Hofsequenzen her: neben dem eigentlichen Ehrenhof vor dem Schloss werden zwei weitere Höfe definiert; der mittlere zur Aufstellung der Ehrenformationen und der der Öffentlichkeit zugewandte Vorhof, über den die täglichen Besucher, Mitarbeiter und Anlieferungen empfangen werden (siehe schematische Diagramme).

2. Mit diesem einfachen Baukörper wird eine direkte und funktionale Antwort auf die sicherheitstechnischen wie auch zeremoniellen Erfordernisse des Raumprogramms vorgeschlagen.

3. Einerseits wird damit der bauliche Eingriff möglichst geringgehalten um damit auch der Baumbestand sowie die Parklandschaft insgesamt weitgehend unberührt belassen, andererseits bindet sich der Neubau in seinen Proportionen und Maßen mit dem denkmalgeschützten Bestand ein.


Einzelaspekte des Wettbewerbsentwurfs:

1. Oberirdische Verteilung der Nutzungen:
In den oberirdischen Gebäudeteilen befinden sich die Nutzungen, die natürliches Licht benötigen. Im dreigeschossigen Bauteil sind gemäß dem beigefügten Diagramm die Büros und Gemeinschaftsräume der Bundespolizei untergebracht. Im niedrigen Anbau, der die "Neue Wache" ersetzt, beginnt der Bereich der Besuchersicherheitskontrolle. Die Alte Wache wird über ihre gesamte Höhe und Breite zu einem Raum umgebaut um einerseits die Body Scan Geräte und Gepäckkontrollanlagen aufzunehmen und um andererseits, trotz der Technik, den Vorgang der Kontrolle, dank des historischen Gebäudes und dem Anlass entsprechend, einen würdevolleren Rahmen zu geben.

2. Unterirdische Verteilung der Nutzungen:
Das Gros des Raumprogramms wird im Untergeschoss angeordnet: Sicherheitskontrollen für Waren und Post, die meisten von Polizei und Personal benötigten Einrichtungen und Umkleidebereiche, Lagerflächen sowie einige Pausenräume. Begrünte Lichthöfe sind mit den Grünanlagen auf Erdniveau verbunden und versorgen die umliegenden Räume mit Tageslicht; die begrünten Lichthöfe befinden sich im Sicherheitsbereich. Der Medien- und Versorgungsgang verbindet das Verwaltungsgebäude mit dem Schloss Bellevue.

3. Rückbau der "Neuen Wache":
Aufgrund des Umfangs des neuen Untergeschosses, sowie der Unterbringung des neuen Raumprogramms auf Erdgeschossebene, ist die Nachnutzung der "Neuen Wache" leider nicht darstellbar.

4. Zugang und Sicherheit:
Für die Erschließung werden zwei getrennte Zugänge vorgeschlagen. Damit können die notwendigen Kontroll- und Sicherheitsanforderungen erfüllt werden ohne Engpässe auszulösen. Eine getrennte Anlieferung von Waren durch LKW mit eigenem überdachten Bereich ermöglicht ein einfaches Be- und Entladen mit einer ersten Kontrolle des Wareneingangs. Über eine vertikale Verbindung zum Untergeschoss, wo sich die Scanner und andere Kontrollgeräte befinden, erfolgt die Verteilung der Waren zu den jeweiligen Abteilungen des BPA. Über einen getrennten Straßenzugang erfolgt die Erschließung der Parkgarage im Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes. Für die neue Rampenanordnung ist nur eine leichte Verschiebung notwendig, sodass die aktuelle Verbindung zum Gebäude nicht geändert werden muss.

5. Baukörper:
Die rechtwinklige Anordnung der neuen Bauteile wendet sich nicht nur den jeweils neu definierten Höfen zu, sondern schafft auch ein repräsentatives, brückenartiges Durchgangstor (dreistöckiger Baukörper in der Mitte des Neubaus) und eine eingeschossig überdachte Anlieferung, die einen Übergang zu den Pergolen im Garten herstellt. Die Formalität des symmetrischen Durchgangstores schafft für die beiden asymmetrischen Flügel einen Bezugspunkt. In seinen Maßen und Proportionen entspricht der torartige Baukörper einem großen Haus und stellt damit im Kontext des Gesamtareals eine diskrete Eigenständigkeit her.

6. Materialwahl:
Die Fassade des Neubaus wird mit relativ dicken, vertikal geriffelten Aluminiumtafeln verkleidet. Diese Platten stammen aus ehemaligen, rezyklierten LKW-Bodenbelägen. Sie sind gemäß der auf den Plänen dargestellten Zeichnung angeordnet (siehe Fugenbild), was neben der optimalen dimensionalen Ausnutzung des Rezyklierungsprozesses eine einfache Handhabung während der Errichtung ermöglicht. Die so verkleideten, geschlossenen Fassadenteile stellen eine gewisse Tiefe und Rhythmik her, die auf die zahlreichen umgebenen Bäume und deren gefurchten Rinden eingehen. Aus der Ferne betrachtet bilden die Platten zusammen einen matten Monolith. Der Rest der Fassade besteht aus Hochsicherheitsglas. Im Brüstungsbereich sind die Aluminiumplatten flach. Die Wahl des Materials und seine Detaillierung suchen so den Bezug zur Landschaft. Das matte, vertikal geriffelte Material will kein direktes Echo der vorhandenen Vegetation erzeugen, sondern lediglich eine Spiegelung der Schatten.

7. Landschaftskonzept:
Die umfangreiche unterirdische Einfügung des neuen Gebäudes in die prachtvolle Bestandsanlage erfordert besondere Sorgfalt um zu vermeiden, dass das aktuelle Gleichgewicht der vorhandenen Vegetation substantiell Schaden nimmt. Alle geschützten Bäume werden erhalten. Lediglich einer der halbgeschützten Bäume wird an den neuen Eingangsbereich umgepflanzt.

Um den vorhandenen Gehwegen eine besondere Kontinuität zu verleihen, wird ein Kopfsteinpflaster aus verschiedenen Größen und offenen Fugen verlegt, letzteres dient auch den Versiegelungsgrad dieses Bereichs so gering wie möglich zu halten. Innerhalb der Verkehrsflächen werden gepflasterte Gehwege für Fußgänger verlegt um die erforderliche Zugänglichkeit zu gewährleisten, und in der Nähe der Grünflächen werden größere Grünstreifen den Übergang zwischen Neubau und Grün artikulieren und die Durchlässigkeit des Bodens neben den vorhandenen Bäumen gewährleisten. Das neue Gebäude wird ein wartungsarmes Gründach haben.