Wiederrichtung der Bauakademie Berlin als Nationale Bauakademie
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Die Bauakademie war von Karl Friedrich Schinkel zur Form geschaffenes Sinnbild für pressische Tugenden: Balance zwischen Tradition und Zukunft, Sichtbarmachung regionaler Herkunft samt lokaler Ökonomie, daher sparsame und zweckmässige Details, prototypische und bescheidene technische Lösungen verbunden zu einer klassisch-harmonischen Form, die ein universales Kulturverständnis verkörpert.

In der wieder zu errichtenden Kubatur Karl Friedrich Schinkels ehemaliger Bauakademie werden nationale und internationale Akteure verschiedene Rahmen finden, innerhalb derer sie ihre Visionen und Entwürfe für städtebauliche, landschaftsarchitektonische und architektonische Projekte sowie für einzelne Bauten, Bausysteme, -prozesse und -elemente einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen können. In der Bauakademie wird kritisch und visionär darüber debattiert wie gesellschaftliche Entwicklungen sowie politischer Wandel und die gebaute Umwelt sich gegenseitig bedingen. Berlins polyglotte Stadtgesellschaft und Hauptstadt deutscher Politik bilden den gesellschaftspolitischen Hintergrund. Veranstaltungen der Bauakademie kündigen nationale und internationale Veränderungen an. Schinkels Anspruch ans eigene Werk ist programmatischer Ansporn für die neue Bauakademie: die Suche nach universellen Lösungen in den Bereichen der Nachhaltigkeit und der gestalteten Umwelt, und den damit verbundenen Wissenschaften.

Raumkonzept
Der vorliegende Entwurf nimmt Schinkels Bauakademie als strukturellen und geistigen Ausgangspunkt, überträgt diesen Ansatz in die heutige Zeit.
Leitidee des Entwurfs ist, den publikumswirksamen Teil–Foyer, Ausstellungshallen, Vortragssaal–zum Kern des Gebäudes werden zu lassen, und zwar so, dass zwischen diesem Kern und den Auftragenliegenden Räumen ein mit Tageslicht versehener Zwischenraum entsteht, der darüber hinaus der Erschließung dient. Der ursprüngliche Innenhof wird dadurch als ein zeitgemäßes Atrium adaptiert, welches die innenräumliche Wirkung für zeitgenössische Anforderungen auslegt. Die Ausstellungshallen werden internationalen konservatorischen Maßstäben entsprechen.

Für den direkten Eintritt in das Gebäude, sowie in die gewerblichen Einheiten, schlägt der Entwurf vor, das gesamte Erdgeschoss auf das Straßenniveau anzulegen. Der Publikumsverkehr wird in einer großzügigen und klar verständlichen Treppenanlage aufgenommen. Die Besucher und Nutzer betreten die neue Bauakademie mittelachsig vom Schinkelplatz und kommen über die Treppenanlage in das zentrale Foyer mit Empfangsbereich. Zwei Archäologische Fenster (einer davon auch getrennt vom Süden her zugänglich), die Garderoben und Toiletten befinden sich im Keller. Vom offenen Treppenhaus blicken die Nutzer auf den Schinkelplatz, die Schlossbrücke und das Alte Museum. Das Treppenhaus ist eine Hommage an Schinkels Treppenanlage im Alten Museum mit dem panoramaartigen Blick über den Lustgarten und Schinkels eigene Projekte.
Im EG belebt die neue Bauakademie mit ihren vierzehn Gewerbeeinheiten den öffentlichen Raum. Ein Restaurant auf der Ostseite der neuen Bauakademie trägt seinerseits zur Belebung des Werderschen Markt bei.

Im 1. OG sind die Ausstellungshallen untergebracht. Mit ihren möglichen Ausblicken in alle vier Himmelsrichtungen bieten die tiefen Ausstellungsräume im 1. OG mit einer Gesamtfläche von 1 300 m2 direkte Beziehungen zum Umfeld. Der doppelgeschossige Veranstaltungssaal im 2. OG mit seiner umlaufenden Empore wäre ein Ort für Vorträge, Diskussionen und Empfänge. Die zahlreichen auf der gleichen Etage angeordneten Seminarräume würden gemeinsam mit dem Veranstaltungssaal ideale Voraussetzungen für Konferenzen bieten. Relativ unabhängig von diesen, aber auch visuell über einen doppelgeschossigen Luftraum verbunden, sind die Büros und Unterkünfte für Stipendiaten im 3. OG.

Im Sommer könnte der Schinkelplatz für Veranstaltungen einbezogen werden.

Nutzungskonzept
Die neue Bauakademie stellt grundlegende Fragen der Umweltgestaltung zur Diskussion. Diese Thematisierung erfolgt im physischen Raum mit visuellen, modellhaften und diskursiven Veranstaltungen. Zu den zentralen Aktivitäten der neuen Bauakademie zählen demnach die eigenständige Kuratierung von mindestens zwei Ausstellungen im Jahr (Laufzeit von 3 Monaten) sowie die Initiierung und Ausrichtung von mindestens acht nationalen und internationalen Konferenzen. Außerhalb dieser Bauakademie- eigenen Nutzungsphasen könnten die Räume an Dritte vermietet werden. Diese Mieteinkünfte würden von der Bauakademie selbst verwaltet und zur Finanzierung ihrer Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit mit eigener Publikationsreihe eingesetzt werden. Die gewerblichen Flächen im EG werden von unabhängigen Betreibern genutzt und können zeitlich und räumlich getrennt von der Bauakademie funktionieren. Das am Rand des Gebäudes befindliche Archäologische Fenster könnte ebenfalls bei Bedarf (Nacht der Museen)außerhalb der normalen Betriebszeit zugänglich gemacht werden. Insgesamt ist von einem Besucherverkehr in einer Größenordnung von 240 000 im Jahr zu rechnen (ca. vier Ausstellungen @ 50 000, 150 Veranstaltungen @ 300).

Betriebskonzept Die zentrale Herausforderung an die neue Bauakademie ist, wie sie national und international einen eigenständigen und unabhängigen Ruf erlangt. Sollte sie ein für jeden Interessenten anmietbarer Ort werden, würde sie kein eigenes inhaltliches Profil entwickeln; das wäre auch nicht mit dem Einsatz von Steuermitteln in Einklang zu bringen.

Die Öffentlichkeit hat somit einen Anspruch, dass die neue Bauakademie eine eigene Identität erwirbt, die ihr ermöglicht sich glaubwürdig im Interesse und zum Wohle der Allgemeinheit Umweltgestaltungsfragen zu widmen. Zur Erlangung und Verstetigung dieser Identität benötigt die neue Bauakademie eine eigenständige und politisch unabhängige Intendanz, die einer Institution vorsteht, die ihrerseits finanziell und personell auskömmlich ausgestattet ist. Eine neu zu gründende, gemeinnützige Stiftung Bauakademie (mit divers investiertem Stiftungskapital) ist finanziell so umfangreich auszustatten, dass die Mittel für die Wartung und den Betrieb des Bauwerks, die zentralen Aktivitäten (u.a. Ausstellungen und Veranstaltungen), sowie das Personal (Gehälter und Tarifsteigerungen, Versicherungen, Renten, etc.) zur Verfügung stehen.

Eine derartige neue Bauakademie benötigt dauerhaft eine Personalausstattung von fünf Wissenschaftlern/ Kuratoren (einschließlich Intendanz und Rechtsabteilung), zwei Personen im Bereich Web Präsenz/ Öffentlichkeitsarbeit/ Publikationen, zwei Personen im Sekretariat, vier Personen im Bereich Hausverwaltung/ Haustechnik/ Vermietung, und zwei Personen in der Personalabteilung.
Gestaltungskonzept
Die neue Bauakademie soll, wie Schinkels ursprüngliche Bauakademie, weitestgehend aus massivem, selbsttragendem Ziegelmauerwerk errichtet werden. Die Fassadenelemente (Pilaster, Öffnungsrahmen) und Fensterproportionen werden fortgeführt. Die neoklassizistischen Profile und Details würden in ihrer plastischen Wirkung neuzeitlich interpretiert. In Zusammenarbeit mit zeitgenössischen bildenden Künstlern würde ein Fassadenreliefprogramm entwickelt werden, welches dem neuen Inhalt Ausdruck verleihen würde. Neue, zeitgenössische Systeme wie Aufzüge, Klimaanlagen, Mehrfachverglasung des Daches oberhalb des Veranstaltungssaals würden selbstverständlich den neuesten Maßstäben entsprechen, sich aber grundsätzlich am Duktus Schinkel'scher Ingenieurbaukunst orientieren.

Insgesamt gilt es, die neue Bauakademie im Geiste Schinkels neu zu interpretieren, dabei die ursprüngliche Balance zwischen feinen Details und monumentaler Kubatur, zwischen neoklassizistischer Eleganz und damals moderner Technik, zwischen Ordnung und Flexibilität in eine heutige Sprache umzusetzen.

Anhang
Quantitative Übersicht der Nutzungen und ihre Flächen
Institute/Büros 770 m2
Seminare/Konferenz 535 m2
Veranstaltungssaal/ einschl. Empore 710 m2
Ausstellung/ Dauerausstellung 1 300 m2
Foyer/Empfang 445 m2
Läden/Gastronomie 1 315 m2
Sonstiges/Archiv/Bibliothek/Stipendiaten 665 m2
Archäologisches Fenster 190 m2
Haustechnik 445 m2
Garderobe/Sanitär 280 m2
Verkehrsfläche 1 400 m2
NRF Nettoraumfläche 8 075 m2
KGF Konstruktionsfläche 2 212 m2
BGF Bruttogeschossfläche 10 287 m2
BRI Bruttorauminhalt 53 242 m3